Copyright 2020 - Gesellschaft für Fantastikforschung

Termine diesen Monat

Caspar Walter Rauh und der Phantastische Realismus

800x600

 

Tagung: Caspar Walter Rauh und der Phantastische Realismus

 

In der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts ist der Zeichner, Illustrator, Maler und Schriftsteller Caspar Walter Rauh (1912-1983) einer der großen und weitgehend noch zu entdeckenden Einzelgänger. Die wissenschaftliche Erschließung seines Werkes steht noch immer am Anfang. Seit seinen künstlerischen Anfängen in den Jahren des Zweiten Weltkriegs verbinden sich in Rauhs Schaffen in irritierender Weise Reaktionen auf die Traumatisierungen durch das epochale Grauen mit der Lust an ironischer Realitätsflucht in phantastische Gegenwelten, in Idylle und Humor. Rauhs oft traumhaften Szenerien konfrontieren den Betrachter gleichermaßen mit der Barbarei des 20. Jahrhunderts, mit Leid, Tod und Vernichtung wie auch mit Entwürfen utopisch-idyllischer Daseinsformen. Seine Werke sind geprägt von narrativen Elementen, sie erzählen Geschichten in einer phantastisch-surrealen, privatmythologisch aufgeladenen Bildersprache, in der Fische und Vögel, Pflanzen und skurrile Fortbewegungsmittel eine zentrale Rolle spielen.


 

Die geplante Tagung unternimmt den Versuch, das „Phantastische“ in Rauhs Kunst näher zu bestimmen. Dabei konzentriert sie sich auf drei unterschiedliche Schwerpunkte:
1. Wie lässt sich Rauhs Phantastik begrifflich und konzeptuell fassen und im Rahmen einer allgemeinen Theorie des Phantastischen verorten? Welche gattungstheoretischen Überlegungen, welche Konzepte aus Philosophie, Psychologie, Kunstwissenschaft oder Literaturwissenschaft können dabei hilfreich sein? In wieweit lässt sich Rauhs Werk unter dem Aspekt seiner Traumhaftigkeit erschließen?

2. Welches Verhältnis besteht zwischen Rauhs Werk und der Tradition phantastischer Kunst und Literatur? In welcher Weise nimmt Rauh Bezug auf Ikonographien phantastischer Kunst – von Hieronymus Bosch bis Alfred Kubin und Félicien Rops? Welche Rolle spielen literarische Texte als Quelle künstlerischer Inspiration – nicht nur für den „Illustrator“ Rauh im engeren Sinn, der Werke Jean Pauls, E.T.A. Hoffmanns, Edgar Allen Poes und Mary Nortons bebildert hat.

3. In der unmittelbaren Nachkriegszeit gab es in Deutschland sowohl in der Bildenden Kunst als auch in der Literatur in einer kurzen Zeitspanne von weniger als zehn Jahren auffällig viele Versuche, Erfahrungen des Krieges mit Mitteln der Phantastik bzw. eines Phantastischen Realismus zur Darstellung zu bringen. Wie lässt sich diese „Nachkriegsphantastik“ genauer bestimmen und welchen spezifischen Beitrag hat Rauh dazu geleistet? Vergleiche sowohl zu anderen Künstlern als auch zur Literatur der späten vierziger und der frühen fünfziger Jahre bieten sich hier an. Zu fragen ist auch nach den Ursachen für das gehäufte Auftreten wie auch für das rasche Abklingen phantastischer Kunst in dem erwähnten Zeitraum.

 

Die interdisziplinäre Tagung richtet sich an Kunstwissenschaftler sowie interessierte Literatur- und Kulturwissenschaftler. Willkommen sind sowohl Beiträge zu übergreifenden Fragestellungen wie auch Studien zu einzelnen Werken oder Motiven.
Die Vorträge sollten eine Dauer von 30 Minuten nicht überschreiten.
Tagungssprachen sind Englisch, Portugiesisch und Deutsch.

 

Es ist geplant, die Tagungsbeiträge in Form eines Sammelbandes zu veröffentlichen.

 

Ort und Zeit:

Palacete dos Viscondes de Balsemão / Faculdade de Letras da Universidade do Porto, Porto, 26.-28.10. 2017

 

Veranstalter:

DEG (Departamento de Estudos Germanísticos) / Faculdade de Letras da Universidade do Porto und CITCEM (Centro de Investigação Transdisciplinar Cultura – Espaço – Memória).

Mit freundlicher Unterstützung der Câmara Municipal do Porto und dem Goethe-Institut, Porto.

 

Organisation:

Prof. Dr. John Greenfield (Universität Porto),

Prof. Dr. Hans-Walter Schmidt-Hannisa (National University of Ireland, Galway)

 

Ausstellung:
Parallel zur Tagung wird im Palacete dos Viscondes de Balsemão, Porto, eine Ausstellung mit Werken Rauhs gezeigt. Die Ausstellungseröffnung findet am Donnerstag, den 26. Oktober um 18 Uhr statt.