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Jahrestagung Dresden 2023

14. Jahrestagung der Gesellschaft für Fantastikforschung

Disruptive Imaginationen

Gemeinsame Jahrestagung der SFRA und GFF

TU Dresden, 15.-19. August, 2023

https://disruptiveimaginations.com/

(English version below)

Mit dieser Konferenz verbinden wir die Jahrestagungen der Science Fiction Research Association (SFRA) und der Deutschen Gesellschaft für Fantastikforschung (GfF). Angesichts bestehender Überschneidungen in der Mitgliederbasis sowie geteilter Interessensschwerpunkte und einer gemeinsamen Mission glauben wir, dass eine gemeinschaftliche Konferenz großes Potenzial für dynamischen Austausch, fruchtbare Diskussionen sowie neue Perspektiven und Erkenntnisse bietet. Der hier angestrebte weite Fokus auf SFF ermöglicht die Berücksichtigung einer breiten Palette von Genres und Formen, inkl. Science-Fiction, Fantasy und Horror. Weitere Informationen zu den einzelnen Gesellschaften finden sich weiter unten. Wir freuen uns darauf, Euch im August 2023 in Dresden zu begrüßen!

Science-Fiction und Fantastik (SFF) sind in der Lage, etablierte Erzählungen und Weltentwürfe zu stören und zu unterbrechen. Ob in Form von Hard Science-Fiction, utopischer Spekulation, High Fantasy oder übernatürlichem Horror, SFF ist grundsätzlich in Vorstellungen von Disruption verankert – ein Riss im Gefüge der Realität, eine Entfremdung der Sinne, ein Bruch mit der bekannten Welt oder eine Grenzüberschreitung. Das Konferenzthema „Disruptive Imaginationen” lädt dazu ein, sich mit Disruption als einem vielfältigen Paradigma der SFF-Imagination zu beschäftigen. Als eine Form der Störung oder Unterbrechung bedeutet Disruption, dass gewohnte Wahrnehmungs- und Ordnungsmuster des Lebens in der Welt ins Wanken geraten und damit von Unsicherheit und Ungewissheit abgelöst werden. Disruption kann in Größenordnungen auftreten, die vom Mikrologischen bis zum Kosmischen reichen. Auf der prekären Schwelle zwischen Chaos und Ordnung birgt Disruption das Potenzial für einen transformativen Systemwandel und kann eine Verschiebung hegemonialer Markierungen des „Un/möglichen“ auslösen.

Fredric Jameson führt Disruption als grundlegende diskursive Strategie der politischen Utopie an, die dadurch, dass sie uns zwingt, „den Bruch selbst zu denken“, die Imagination von anderen Welten erst ermöglicht. Was würde es also bedeuten, Disruption „als Umstrukturierung und unerwartete Sprengung von Gewohnheiten zu denken, als jene Seitentür, die sich plötzlich in eine neue Welt von transformierten Menschen öffnet.“[1] Über die gesamte Breite des politischen Spektrums hinweg ist Disruption eine bewährte Strategie der Intervention und erfordert eine sorgfältige Untersuchung von Handlungsmacht und Machtrelationen. Wer oder was ist überhaupt in der Lage, Ordnungen zu (zer)stören, und wessen Erfahrungen der Disruption werden anerkannt, während andere unterdrückt werden oder unsichtbar bleiben? Wie können Imaginationen angesichts einer anhaltenden Pandemie, der drohenden Gefahr eines Atomkriegs, der globalen Erwärmung, Umweltrassismus und des extraktiven Kapitalismus eine Gegenkraft zur Disruption von Lebenswelten bieten?

Das Thema „Disruptive Imaginationen“ versucht, SFF Narrative von Innovation, Fortschritt und anderen Welten mit den Rissen ihrer eigenen Konstruktion zu konfrontieren. „Disruptive Imaginationen“ sind u.a. als kritische Antwort auf neoliberale Modelle der disruptiven Innovation gedacht und möchten wissenschaftliche und kreative Beiträge ansprechen, die nicht das Neue fetischisieren, sondern Methoden des lokalen und systemischen Wandels hinterfragen und im kritischen Worldmaking der Literatur und der Künste verankert sind. Als literarischer und künstlerischer Modus erprobt SFF unablässig Alternativen und Dishabituationen des Status quo, während sie gleichzeitig Räume schafft, um die von strukturellem Rassismus, Kolonialismus, Heteropatriarchat und Behindertenfeindlichkeit verursachten Disruptionen aufzudecken und ihnen Widerstand entgegenzustellen. Wie kann SFF jenseits der Versprechungen vom schnellen technologischen Fix oder einer naiven Rückkehr zum Gleichgewichtszustand dazu beitragen, ein Verständnis für komplexe und unruhige Welten in der Krise zu fördern? Wo liegen aber auch die Grenzen von Disruption als nützlichem Narrativ, um Welten gedanklich zu erschließen, und welche Kollateralschäden zieht es möglicherweise nach sich? Welche anderen Paradigmen werden benötigt, um das Konzept der Disruption selbst zu stören oder zu unterbrechen?

Wir freuen uns auf Beiträge zu allen Formen und Genres der Science-Fiction und des Fantastischen in Bezug auf das Paradigma der Disruption in Literatur, Musik, Film, Spiele, Design und Kunst. Vorträge können entweder auf Englisch oder Deutsch gehalten werden. Wir bemühen uns um eine Vielfalt von Stimmen und Perspektiven aus allen Disziplinen und Karrierestufen. Während Beiträge zu jedem Thema im Bereich des SFF willkommen sind, möchten wir insbesondere Themen anregen, die in Bezug zum übergeordneten Konferenzthema stehen und sich mit disruptiven Imaginationen bspw. entlang folgender Achsen befassen:

 

  •  SFF-Imaginationen unter Bedingungen der Disruption

z.B. Energiekrise; Toxizität; Klimazerstörung; Krieg; Kolonialismus; Dis/ability und Ableism; Trauma; struktureller Rassismus;…

 

  •  SFF-Imaginationen als Widerstand gegen Disruption

z.B. Resilienz; Worldbuilding; Utopie; Decolonisation und Restitutionen; Transformation; soziale Gerechtigkeit; Kinship; Kritische und Co-Futurismen; (bspw. Afrikanische und Afro-Futurismen, Indigene Futurismen, Queere und Trans-Futurismen, Crip Futurismen, etc.); …

 

  •  SFF-Imaginationen, die eine Disruption erfordern

z.B. SFF und Systeme der Unterdrückung; Energie und Ressourcen in SFF; Transhumanismus und Eugenik; SFF Tropen/Konventionen von White Supremacy, Heteropatriarchat, Kolonialism, technologischem Fix,…

 

  •  SFF-Imaginationen als disruptive Kraft

z.B. SFF in/als Aktivismus, emanzipatorische Formen von SFF Publishing (z.B. Destroy! Serie);  die kulturellen/körperlichen/sozialen/politischen/ästhetischen/ ökologischen Auswirkungen von SFF; SFF als Medium politischer Subversion und Mobilmachung; SFF und Rhetoriken der Neuen Rechten, …

 

  • SFF-Imaginationen als Verhandlung von Disruption

z.B. Brüche von Raum und Zeit; Geo-Engineering; First Contact; Gen-Editing; Hacking; Revolution; Aufbrechen von Hierarchien; Grenzüberschreitungen; Chimären und Hybride; kreative Technologien und alternative Kommunikationsmedien; …

 

Abstracts für Einzelbeiträge und Panels können auf Englisch oder Deutsch eingereicht werden. Nicht-traditionelle Formate (Roundtables, künstlerische Forschung, partizipatorische Formate, etc.) sind willkommen. Für Einzelbeiträge bitten wir um ein Abstract von 300 Wörtern und eine Kurzbiografie (150 Wörter). Für Panels bitten wir um eine Zusammenfassung des Panelthemas (300 Wörter), Abstracts der einzelnen Beiträge (je 200 Wörter) und Kurzbiografien (150 Wörter) aller Beteiligten in einer Datei. Bitte senden Sie Ihre Beitragsvorschläge bis zum 1. März 2023 an disruptive.imaginations@tu-dresden.de. Hybride Teilnahme wird begrenzt ermöglicht. Weitere Informationen folgen in Kürze auf der Konferenz-Webseite www.disruptiveimaginations.com.

 

Sowohl die GfF als auch die SFRA vergeben jedes Jahr eine begrenzte Anzahl von Reisestipendien an Studierende, Doktorand*innen und Bewerber*innen mit erschwerten finanziellen Bedingungen: SFRA-Mitglieder sind berechtigt, sich auf Reisestipendien in Höhe von bis zu 500$ zu bewerben; die GfF bietet vier Reisestipendien in Höhe von jeweils 250€ an, eine Mitgliedschaft ist hierfür nicht erforderlich. Bei Interesse bitten wir um eine kurze Notiz bei Einreichung.

 

Organisationsteam:

Julia Gatermann
Moritz Ingwersen

(North American Literature and Critical Future Studies, TU Dresden)

 

Die Gesellschaft für Fantastikforschung e.V. (https://fantastikforschung.de) ist eine wissenschaftliche Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erforschung der Fantastik in Kunst, Literatur und Kultur im deutschsprachigen Raum auf wissenschaftlicher Basis zu fördern und zu einer Vertiefung der wissenschaftlichen und kulturellen Erkenntnisse in diesen Bereichen beizutragen. Hierzu gibt die Gesellschaft die Zeitschrift für Fantastikforschung heraus (peer-reviewed und open acces, https://zff.openlibhums.org/) und veranstaltet einmal im Jahr eine große Jahrestagung an wechselnden Veranstaltungsorten.

 

Die 1970 gegründete Science Fiction Research Association (SFRA) ist die älteste internationale Fachgesellschaft, die sich der wissenschaftlichen Erforschung von Science Fiction und dem Fantastischen in Literatur, Film und Kunst widmet (https://sfra.org). Die open-access Zeitschrift SFRA Review erscheint viermal im Jahr (https://sfrareview.org/) und die SFRA trifft sich jährlich zu einer Konferenz an wechselnden Veranstaltungsorten.

[1] Fredric Jameson. Archaeologies of the Future: The Desire Called Utopia and Other Science Fictions. Verso, 2005. 232. Unsere Übers.


Disruptive Imaginations 

Joint Annual Conference of SFRA and GfF

TU Dresden, Germany, August 15-19, 2023

 

This conference will merge the annual meetings of the Science Fiction Research Association (SFRA) and the German Association for Research in the Fantastic (GfF). With some overlap in membership and a shared interest and mission, we believe that a joint conference offers great potential for dynamic exchange, constructive discussions, and new insights and perspectives. This expanded focus on SFF allows for a consideration of a wide range of genres and forms that include science fiction, fantasy, horror, and the weird. For more information on the respective associations, please see below. We are excited to welcome you all to Dresden in August 2023!

Science fiction and the fantastic (SFF) have the power to disrupt entrenched narratives and worldmaking practices. Whether in the form of hard science fiction, utopian speculation, high fantasy or supernatural horror, SFF is fundamentally anchored in imaginations of disruption—a tear in the fabric of reality, an estrangement of the senses, a break with the known world, or a transgression of boundaries. The conference theme “Disruptive Imaginations” invites participants to engage with disruption as a variegated paradigm of the SFF imagination. As a mode of disturbance or interruption, a disruption implies that habitual patterns of perceiving, inhabiting, and ordering the world are unsettled, giving way to uncertainty and the unknown. It can occur at scales that range from the micrological to the cosmic. At the precarious threshold between chaos and order, a disruption carries the potential for transformative system change and can produce a shift in hegemonic articulations of ‘the im/possible.’

Fredric Jameson famously invokes disruption as the fundamental discursive strategy of political utopia, which only “by forcing us to think the break itself” enables the imagination of worlds otherwise. What would it mean to think disruption “as restructuration and the unexpected blasting open of habits, as that lateral side-door which suddenly opens onto a new world of transformed human beings.”[1] Disruption has been championed as a strategy of intervention across the political spectrum and impels a careful examination of questions of agency and power (relations). Who or what has the power to disrupt and whose experiences of disruption are acknowledged while others remain suppressed or invisible? In the face of a lingering pandemic, looming threats of nuclear warfare, global heating, environmental racism, and extractive capitalism, how can imagination offer a counterforce to the disruption of lifeworlds?

“Disruptive Imaginations” seeks to confront SFF narratives of innovation, progress, and other-worlding with the faultlines of their own construction. Envisioned in part as a critical response to neoliberal models of disruptive innovation, “Disruptive Imaginations” invites scholarship and creative work that interrogates methods of both local and larger systemic change that does not fetishize newness, and that anchors in the critical world-making capacities of literature and the arts. As a literary and artistic mode, SFF ceaselessly rehearses alternatives and dishabituations of the status quo while also creating spaces that expose and resist the disruptive forces of white supremacy, settler-colonialism, heteropatriarchy, and ableism. Beyond the promises of a technological fix or a naive return to equilibrium, how might SFF help foster an understanding of complex and messy worlds in crisis? What are the limits of disruption as a useful story to think worlds with, and what collateral damage does it entail? What kinds of different paradigms (speculative and otherwise) may be needed to disrupt disruption?

We invite papers on all forms and genres of science fiction and the fantastic in relation to the paradigm of disruption, including but not limited to literature, music, film, games, design, and art. Presentations may be held either in English or German. We strive for a diversity of voices and perspectives from any and all disciplines and career stages. While papers on any subject in SFF are welcome, we especially encourage topics that resonate with the overall conference theme and that engage disruptive imaginations along axes that include but are not limited to

 

  • SFF imagination under conditions of disruption

e.g., energy crisis; toxicity; climate disruption; war; colonialism; dis/ability and ableism; trauma; white supremacy; …

 

  • SFF imagination against disruption

e.g., resilience; worldmaking; utopia; decolonization and restitution; cultural healing; kinship; critical and co-futurisms (African and Afro-futurisms, Indigenous Futurisms, Queer and Trans Futurisms, Crip Futurisms, LatinX Futurisms,…); …

 

  • SFF imagination in need of disruption

e.g., SFF and systems of oppression; the energy unsconious of SFF; transhumanism and eugenics; SFF tropes/histories/conventions of white supremacy, colonialism, heteropatriarchy, and technological solutionism; …

 

  • SFF imagination as a force of disruption

e.g., SFF in/as activism; emancipatory forms of SFF publishing (e.g., Destroy! Series); the cultural/bodily/social/political/aesthetic/ecological impact of SFF; SFF as medium of political subversion and agitation; alt-right utilization of SFF rhetoric; …

 

  • SFF imagination of disruption

e.g., ruptures of space and time; geoengineering; gene editing; hacking; revolution; border crossings, unsettling of hierarchies, chimeras and hybrids, creative technologies and alternative communication media; …

 

It is possible to submit proposals for individual presentations and preformed panels in English or German. Non-traditional formats (roundtable, artistic research, participatory formats, etc.) are welcome. For individual presentation, we ask for an abstract of 300 words and a short bio (150 words). For preformed panels we require a proposal (single file) that includes a 300 word summary of the panel topic, abstracts of 200 words for each contribution, and bio notes (150 words) for all participants. Please send all submissions to disruptive.imaginations@tu-dresden.de by March 1, 2023. Options for limited hybrid participation will be available. More information will be supplied soon on our conference website www.disruptiveimaginations.com.

 

Both organizations give out a limited number of travel grants to help students, PhD candidates and non-tenured participants with their expenses: SFRA members are eligible to apply for travel grants of up to 500$; the GfF offers four travel grants of 250€ each, membership not required. Please indicate your interest upon submitting your abstract.

 

Organizing team:

Julia Gatermann

Moritz Ingwersen

(North American Literature and Critical Future Studies, TU Dresden)

 

 

The Gesellschaft für Fantastikforschung (GfF, the German association for research in the fantastic), was founded 2010 with the mission to promote academic research of the fantastic in art, literature and culture in German-speaking countries and to contribute to a deepening of scholarly and cultural knowledge in these fields (https://fantastikforschung.de). To that end, the GfF publishes the peer reviewed open-access journal “Zeitschrift für Fantastikforschung” (https://zff.openlibhums.org/) and convenes for an annual conference at varying locations in Germany, Switzerland, and Austria.

 

The Science Fiction Research Association (SFRA), founded in 1970, is the oldest professional association dedicated to the scholarly inquiry of Science Fiction and the Fantastic in literature, film, and the arts (https://sfra.org). The SFRA’s open access journal SFRA Review is published four times a year (https://sfrareview.org/) and the SFRA meets annually for a conference at varying international locations.

[1] Fredric Jameson. Archaeologies of the Future: The Desire Called Utopia and Other Science Fictions. Verso, 2005. 232.